Das einen Freud ist des anderen Leid

05.07.2006

Falsch spekuliert

Obwohl der Stichtag 1. Juni 2005 für die Umsetztung von TASI und AbfAbIV schon Jahre vorher bekannt war, und die entsorungsbranche fleißig in neue Aufbereitungsanlagen inverstiert hatten, zeigte sich sehr schnell, dass der Markt nicht ausreichend auf das Deponierungsverbot vorbereitet war. Wo man auch hinschaute, überall Engpässe in der Müllverbrennung und drastisch steigende Entsorgungspreise. Vielerorts mussten die Behörden die Zwischenlagerung von Abfällen tolerieren. Diese Engpasssituation entstand nicht zuletzt dadurch, dass viele Abfallverursacher und Entsorger davon überrascht wurden, wie rigoros das Deponierungsverbot zum 1. Juni 2005 umgesetzt wurde. Dennoch ist sich die Branche ein Jahr danach sicher, das TASi und AbfABIV dem Geschäft mit der Entsorgung von Abfällen einen großen Auftrieb gegeben hat.
Das zeigt sich auch auf dem Kasseler Abfalltagen, wo TASi und AbfAbIV die alles beherrschenden Themen waren. Im Titelthema der Recycling Magazin Ausgabe 10 vom 22.05.2006, berichtet das Magazin ab Seite 12 wie die neuen Rahmenbedingungen die Märkte veränderten.

Altkleiderverwertung bleibt mühsam

Doch nicht überall stoßen TASi und AbfAbIV auf Begeisterung. So ist das Deponierungsverbot für unbehandelte Abfälle aus Sicht der Verwerter alter Kleidungsstücke lediglich ein weiterer Kostenfaktor. Schon seit Jahren finden die Unternehmen immer weniger verwertbare Kleidungsstücke in ihren Sammelbehältnissen. Und während die am Weltmarkt zu erzielenden Verkaufserlöse für die aussortierten Kleidungsstücke in den vergangenen Jahren immer mehr zurückgingen, steigen die Entsorgungskosten für die Restabfälle drastisch an. Kostete die Verbrennung einer Tonne textiler Restabfälle in Deutschland vor dem 1. Juni 2005 maximal bis zu 40 Euro, müssen mittlerweile bis zu 160 Euro pro Tonne dafür bezahlt wreden.
Zwar kann ein großer Teil der Kleidungsstücke zu textilen Rohstoffen wie Putzlappen, Reißtextilien, Füll- und Dämmstoffen, sowie Papenlumpen aufbereitet und verkauft werden, doch die dabei erzielten Erlöse decken allenfalls die beim Verkauf zusätzlich anfallenden Transportkosten. Viele Sortierbetriebe haben Deutschland bereits den Rücken gekehrt, da sich für sie die stoffliche Verwertung alter Kleidungsstücke nicht mehr lohnt.