Neuere Ökonomische und Ökologische Chancen und Risiken für das Textil-Recycling
03.03.2008
Neuere ökonomische und ökolgische Chancen und Risiken
für das Alttextil Recyclinig
Recycling geht bekanntlich jeden an. Kein Haushalt und kein Betrieb kommen daran vorbei, Abfallvermeidung und -Verwertung zu betreiben. So wie Kreislaufwirtschaft längst keine private Angelegenheit mehr ist, greift sie ökonomisch betrachtet weit über regionale und nationale Grenzen hinaus.
Beginnen wir mit dem derzeit beinahe hysterisch behandelten Klimawandel. Die Folgen der Erderwärmung mögen bedrohlich sein, sie werden jedoch, bis die ersten wirklich gravierenden Auswirkungen auftreten, sicher noch einige Zeit auf sich warten lassen. Vor allem dürfen wir darüber die Augen vor anderen, noch greifbareren Risiken nicht verschließen. Viel gravierender und in der öffentlichen Wahrnehmung bei weitem unterschätzt ist der globale Wassermangel.
Vor Öl wird Wasser knapp
Der Verbrauch von Wasser wächst derzeit doppelt so schnell wie die Weltbevölkerung. Dabei werden bereits in großem Stil fossile Wasservorräte angegriffen. Die Folgen sind gewaltig. So muss zum Beispiel im Punjab in Indien heute 270 Meter tief gebohrt werden, um an Grundwasser zu kommen. Vor zehn Jahren stieß man bereits in 90 Meter Tiefe auf Grundwasser. Im Ballungsgebiet von Manila, der Hauptstadt der Philippinen, sinkt der Grundwasserspiegel jährlich um mehrere Meter.
Ein weiteres Beispiel ist China, dort vor allem die nordchinesische Ebene mit Peking: Nach Erkenntnissen der Universität der Vereinten Nationen sinkt dort der Wasserspiegel jährlich um bis zwei Meter, Tendenz steigend. Hinzu kommt die Belastung der Wasservorräte durch Pestizide als Folge intensiven Landbaus mit exzessivem Wasserverbrauch durch Bewässerung.
Aus heutiger Sicht werden wir noch 135 Jahre Öl fördern können, das Wasser aber wird uns vorher ausgehen. Dies hängt nicht zuletzt mit unseren Ernährungsgewohnheiten und der Masse an Menschen zusammen. Wir wissen, dass wir zur Produktion von einer Tonne Baumwolle 16.000 bis 20.000 Liter Wasser benötigen, nicht gerechnet die Wassermengen zur Entfernung der Pestizide, zum Einfärben der Stoffe etc.
Noch gravierender ist die Situation beim Grundnahrungsmittel Getreide. Zur Produktion einer Tonne Getreide werden nach Erhebungen der FAO, der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, zwischen 600.000 und zwei Millionen Liter Wasser benötigt. Der weltweite Getreidehandel kann somit als Handel mit virtuellem Wasser bezeichnet werden.
Dies wird auch die Euphorie für nachwachsende Brennstoffe dämpfen, sobald sich herumgesprochen hat, dass man für einen Liter Bioethanol 4560 Liter Wasser benötigt. Bioethanol wird aus Mais hergestellt. Der Weltmarktpreis für Mais ist bereits von 128 auf 335 US-Dollar gestiegen. Biokraftstoffe führen also dazu, die Preise der Grundnahrungsmittel zu erhöhen. Die Erdteile, für die Mais ein Grundnahrungsmittel ist, werden nicht auf Dauer akzeptieren, dass sie hungern, damit wir Auto fahren können.
Bereits heute kostet jede pflanzliche Kalorie bei der Herstellung einen Liter Wasser, die Kalorien aus tierischer Nahrung in etwa das Zehnfache. Mit der Folge, dass wir Mitteleuropäer pro Tag über den Verbrauch von 126 Litern
Wasser pro Kopf und Tag hinaus mehrere tausend Liter „essen", Tag für Tag.
Als typischer Fleisch essender, Bier, Wein und Milch trinkender Mitteleuropäer verbrauchen wir täglich in etwa das hundertfache unseres Körpergewichts, Vegetarier in etwa die Hälfte hiervon, was den Wasserverbrauch von Fleischproduktion verdeutlicht.
Ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Spart Wasser...................... " ist gut gemeint. Mit den
250 Gramm Baumwolle, die man für das T-Shirt braucht, könnte man allerdings 25 Badewannen füllen.
Recycling spart Wasser
Warum finden Sie diese Informationen an dieser Stelle?
Der sich zuspitzende Wassermangel und Textilrecycling sind zwei Seiten ein und derselben Medaille. Wir werden es uns auf Dauer nicht leisten können, weiterhin Baumwolle in großem Stil bei enormem Wasserverbrauch zu produzieren. Einige baumwollproduzierende Länder bieten hierfür drastische Beispiele. Baumwolle wächst am besten in heißen Regionen, in denen die Sonne das ganze Jahr vom Himmel brennt, also in wüstenartigen Gebieten. Ägypten, der Sudan und Pakistan entnehmen nach wie vor Wasser aus dem Nil bzw. Indus, dessen Wasser inzwischen das Arabische Meer nicht mehr erreicht. Australien schöpft das Wasser hierfür aus dem Murray, der bereits auszutrocknen droht. Die ehemalige Sowjetunion verwandelte die Wüsten Zentralasiens in riesige Baumwollplantagen, der Aralsee trocknete aus. Hier exportieren wasserarme Landstriche virtuell ihr Wasser um Menschen in anderen Ländern und Erdteilen zu kleiden.



